"TeX has always had a special place in my heart. We made the world a better place for scientists and engineers. What other piece of software is still in active use, essentially the same as it was 25 years ago?"

David Fuchs

Was ist TeX? Was ist LaTeX?

Auf der Website des LaTeX Project wird LaTeX (sprich: la-tech) folgendermaßen beschrieben: LaTeX is a document preparation system for high-quality typesetting. It is most often used for medium-to-large technical or scientific documents but it can be used for almost any form of publishing. Bei LaTeX geht es also ums Setzen von Text und Grafik auf eine Seite nach typographischen Regeln. Es geht ums Gestalten von Drucksachen mit dem Computer. Dabei ist LaTeX zweierlei: Eine Auszeichnungssprache, also ein Dateiformat, das sich auch zum Austausch und zur Langzeitarchivierung eignet; und eine Sammlung von Makros, die auf dem Textsatzsystem TeX (sprich: tech) aufsetzen.

Die Ausgabequalität von LaTeX ist unerreicht schön. Die Bedienung von TeX samt der Hilfsprogramme ist einfach zu erlernen. Und die TeX-Anwendergruppen – im deutschen Sprachraum: die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e. V., international: die TeX Users Group – sowie das LaTeX Project sorgen gemeinnützig und ehrenamtlich für die Pflege und Weiterentwicklung der Software auf allen Plattformen.

Der mathematische Formelsatz ist gleichzeitig eine der größten Stärken von (La)TeX und eine schwere Hypothek für das Projekt. Denn durch die Betonung des Formelsatzes geraten Anfänger aus nicht-mathematikgeneigten Fächern und Umgebungen häufig ins Zweifeln, ob es sich für sie lohne, LaTeX zu erlernen. LaTeX eignet sich aber für alle Arten von Text und Grafik, unabhängig vom Inhalt. Ich verwende LaTeX für fast alles, was ich setze. Nachfolgend daher vorwiegend Hinweise, die von Interesse für Sozial- und Geisteswissenschaftler sein werden.

Um Drucksachen und die Herstellung von Büchern sowie die Typographie hat sich eine eigene Sprache entwickelt, die man kennen sollte, wenn man sich mit (La)TeX beschäftigt. Die Begriffe tauchen oft in den Lehrbüchern auf und werden gerne auch in Diskussionen verwendet.

CTAN

Das Comprehensive TeX Archive Network CTAN ist ein Netzwerk von Servern, über das TeX, LaTeX und die ergänzende Software verteilt werden. Das Archiv wird von den TeX-Anwendergruppen gemeinsam betrieben und von vielen anderen Servern gespiegelt. Der CTAN-Hauptknoten wird von DANTE betrieben: ftp.dante.de.

Der Bestand auf CTAN wird über zwei Plattformen erschlossen: Dem TeX Catalogue, zu dem ich seit 2002 als ewiges work in progress den Topic Index beisteuere, und der Portal-Suche auf ctan.org. Beide weisen Paketnamen und Anwendungszwecke nach, sind aber nicht deckungsgleich.

Installation

(La)TeX kann auf allen Plattformen eingesetzt werden. Benötigt werden eine TeX-Distribution – TeX Live bzw. MacTeX (unter Microsoft Windows auch: MiKTeX oder proTeXt), jeweils die umfangreichste Version – und ein Editor. Infrage kommen alle Editoren, die reinen Text bearbeiten können. Die meisten Editoren haben einen TeX-Mode, es gibt aber spezielle TeX-Editoren, die das Arbeiten mit (La)TeX besonders gut unterstützen: Emacs mit AUCTeX (unter Mac OS X: Aquamacs oder Emacs.app); gvim mit der latex-suite; Texmaker oder dessen Fork TeXstudio; Kile; TeXnicCenter oder TeXShop.

Eine Alternative zu den Plain-Text-Editoren ist ggf. LyX, das als Frontend zu LaTeX dient. Die Bedienoberfläche ähnelt einer Textverarbeitung. Aber auch wer mit LyX arbeitet, sollte mit LaTeX umgehen können. Im LyX Wiki findet man zahlreiche Anleitungen. Weitere Beiträge zu LyX:

Online-Ressourcen

Unter den Texten, die online verfügbar sind, ist die Einführung in LaTeX, die das LaTeX Project bereitstellt, grundlegend. Sie ist in jeder TeX-Distribution enthalten und kann über texdoc aufgerufen werden. Kennen sollte man: usrguide, fntguide und clsguide.

Die Einführung l2kurz von Marco Daniel, Patrick Gundlach, Walter Schmidt, Jörg Knappen, Hubert Partl und Irene Hyna ist der klassische Überblick zu LaTeX2e für Anfänger. Das Papier l2tabu von Mark Trettin und Marc Ensenbach wendet sich dagegen an erfahrene Anwender und weist auf veraltete Befehle, Pakete und andere Fehler hin. Die wichtigsten typographischen Regeln faßt typokurz von Christoph Bier zusammen (PDF, 2009). Die Anleitungen wurden von umfangreichen Diskussionen in der Newsgroup de.comp.text.tex begleitet.

Eine deutsche FAQ findet man unter texfragen.de. Das Projekt wird von Patrick Gundlach und weiteren Autoren gepflegt. Da der Text in einem Wiki liegt, kann jedermann dazu beitragen. Der Text wird geprüft und in unregelmäßigen Abständen nach LaTeX exportiert. Auf CTAN gibt es eine Fassung als PDF. Das Projekt folgt der früheren de-tex-faq von Bernd Raichle, Rolf Niepraschk und Thomas Hafner nach, die seit 2003 nicht mehr aktualisiert worden war. Auch die englische UK TeX FAQ von Robin Fairbairns ist lesenswert.

Didaktisch aufbereitetes Lehrmaterial zu LaTeX findet man leicht über eine einfache Internet-Suche, zum Beispiel nach dem Begriff LaTeX Kurs. Viele Materialien zu Veranstaltungen, die vorwiegend an Hochschulen gehalten werden, sind frei zugänglich. Im ZUM-Wiki gibt es eine Seite zum Einsatz von LaTeX in der Schule.

Weitere hilfreiche Beiträge sind gegebenenfalls:

In neuerer Zeit wendet sich LaTeX zunehmend Unicode und dem Fontformat OpenType zu. Seit 2004 gibt es XeTeX (Übersicht bei der TUG), seit 2007 LuaTeX. David J. Perry berichtete 2010 über Creating Scolarly Multilingual Documents Using Unicode, OpenType, and XeTeX (PDF). Ein Spinoff aus der Erstellung der zweiten Auflage des LaTeX Begleiters und des LaTeX Graphics Companion ist Michel Goossens' Einführung The XeTeX Companion. TeX meets OpenType and Unicode (PDF, 2010). Patrick Gundlach stellte 2013 eine Übersicht über LuaTeX-Ressourcen: Wo finde ich was zu LuaTeX? zusammen. Eine elementare Einführung zu LuaLaTeX ist lualatex-doc von Manuel Pégourié-Gonnard (2013, deutsche Übersetzung). UTF-8-kodierte Bibliographien können mit dem Paket Biblatex und dem BibTeX-Nachfolger Biber verarbeitet werden. Als Index-Prozessor empfiehlt sich Xindy.

Wissenschaftliche Arbeiten mit LaTeX schreiben

Im TeX Catalogue gibt es eine Übersicht über einschlägige Pakete auf CTAN für die Geisteswissenschaftlen allgemein sowie für Psychologie, Jura, Theologie, Wirtschaft, Phonetik und Linguistik. Wie man sozial- und geisteswissenschaftliche Arbeiten mit LaTeX schreibt und organisiert, erklären mehrere Autoren:

Die Bibliothek der TU München erstellt jährlich eine Übersicht über Literaturverwaltungsprogramme, und mehrere Bibliothekare bloggen auf literaturverwaltung.wordpress.com vergleichend zu dem Thema – auch über Literaturverwaltungen, die sich zur Arbeit mit BibTeX-Datenbanken eignen. BibTeX und Biblatex werden von BibDesk, JabRef und Zotero unterstützt. Eine reine Cloud-Lösung, die auf BibTeX/Biblatex setzt, ist der Literaturverwaltungs- und Social-Bookmarking-Dienst BibSonomy, der an der Universität Kassel gehostet und aktiv entwickelt wird.

Im Jahr 2007 hatte ich eine Übersicht von Henrik Grotjahn über (La)TeX-freundliche Verlage in Deutschland, die Manuskripte in den Formaten LaTeX, LaTeX, PS oder PDF annehmen, übernommen und fortgeführt. Sie wartet auf ein Update.

Literatur

Einen Überblick über die für TeX & Friends im allerweitesten Sinne relevante Literatur erhält man im TeX User Group bibliography archive, das Nelson Beebe an der Universität Utah pflegt. Ein Ausschnitt daraus ist Teil jeder TeX-Distribution: Das Paket biblio. Die Bibliographien texbook1, texbook2 und texbook3 enthalten Literatur speziell zu (La)TeX bis in die Gegenwart.

Grundlegend für TeX ist das TeXbook von Donald E. Knuth (1984), dessen Quelltext, ebenso wie das METAFONTbook (1986), auf CTAN veröffentlicht worden ist, damit man den Quelltext studieren kann. Der Lizenz zufolge darf die Datei gelesen, aber nicht kompiliert werden. Eine deutsche Zusammenfassung des TeXbooks von Fritz Cremer liegt unter dem Titel Das kleine TeXBuch vor (PDF, 1993). Daneben gibt es weitere Lehrbücher: Die Einführung in TeX von Norbert Schwarz (3. Auflage, 1991, unveränderte PDF-Ausgabe 2002), TeX by Topic von Victor Eijkhout (1991, PDF; das Buch wurde im Jahr 2014 aus Anlaß des 25-jährigen Bestehens von DANTE in Rahmen der Edition Dante im Verlag bei Lehmanns Media neu aufgelegt) und Making TeX work von Norman Walsh (1994, mit Updates: 2002).

Eine Zusammenschau der Lehrbuchliteratur zu LaTeX bietet das LaTeX Project, außerdem gibt es eine Übersicht bei der TeX Users Group. Neben dem LaTeX-Handbuch von Leslie Lamport (2. Auflage, 1985; die deutsche Ausgabe von 1995 ist im Buchhandel leider vergriffen) sind die drei Bände der LaTeX-Begleiter die umfassendste Dokumentation zu LaTeX2e von Frank Mittelbach, Michel Goossens und weiteren Autoren. Im Jahr 2004 erschien die zweite Auflage der englischen Ausgabe des ersten Bandes, ein Jahr später die deutsche Übersetzung mit einer Reihe von Ergänzungen für den deutschen Sprachraum. Die zweite Auflage des LaTeX Graphics Companion kam 2007 heraus. Der LaTeX Web Companion ist weiterhin auf Englisch lieferbar, er wurde aber seit 1999 nicht mehr neu aufgelegt; die deutsche Ausgabe Mit LaTeX ins Web – elektronisches Publizieren mit TeX, HTML und XML ist vergriffen.

Die Veröffentlichung der zweiten Auflage des LaTeX-Begleiters im Jahr 2005 löste seinerzeit eine Renaissance der Literatur zu LaTeX aus. Damals erschienen einige Bücher, die ich von 2006 bis 2009 für die c't sowie für die DTK besprochen habe. Bereits seit 2003 gab es ein Rezensionsprojekt, das nach einer Diskussion in der Newsgroup de.comp.text.tex von Christian Faulhammer initiiert worden war. Die damals erschienenen Buchbesprechungen – jeweils aus dem Blickwinkel von Anfängern geschrieben – wurden auf CTAN gesammelt. Daneben gibt es die Bücher aus der eigenen Schriftenreihe von DANTE. Neuerscheinungen seit 2005 sammle ich auch in einer Zotero-Gruppe. Auffällig ist der Trend weg vom lektorierten Fachbuch aus dem Verlag hin zu Selfpublishing als E-Book, teils im Open Access, mit der Möglichkeit zu einer Bestellung als Print on demand. Erwähnenswert aus den letzten Jahren ist – neben den Büchern von Nicola Talbot – vor allem ein Titel von Maïeuil Rouquette zum Einsatz von LaTeX in den Sozial- und Geisteswissenschaften:

Die Zeitschriften der TeX-Anwendervereinigungen werden in Bibliotheken gesammelt und in öffentlichen Archiven bereitgestellt. Der Bezug ist in der Mitgliedschaft enthalten. Mit einer gewissen Verzögerung sind sie auch für Nichtmitglieder zugänglich:

Diskussion und Neuigkeiten rund um TeX und LaTeX

Wie bei jedem freien Softwareprojekt, gibt es auch bei TeX eine Gemeinde von Entwicklern und Benutzern, die sich online zusammenfinden und untereinander austauschen. Zwei Aggregatoren – planet.dante.de und TeXample.net – sammeln Blogs zum Thema. Auf der Hauptseite der TeX Users Group werden Nachrichten gesammelt. Das LaTeX Project erstellt unregelmäßig Newsletter über Neuigkeiten zu LaTeX2e und zu LaTeX3. Neue Pakete auf dem dezentral organisierten Softwarearchiv CTAN werden auf der Mailingliste ctan-ann und in der Newsgroup comp.text.tex angekündigt. Über die Neuen Pakete auf CTAN berichte ich seit 2005 regelmäßig in der Mitgliederzeitschrift von DANTE, der TeXnischen Komödie.

Die ältesten Internetforen sind die Mailinglisten und das Usenet. Viel gelesene TeX-Listen sind: TeX-D-L, MacOSX-TeX, ES-TEX, TeX-NL, csTeX, gust-l sowie Ling-TeX. Weitere Mailinglisten findet man bei der TeX Users Group, der Deutschsprachigen Anwendervereinigung TeX sowie bei der Nederlandstalige TeX Gebruikersgroep. Die Liste Typo-L handelt von Typographie und Schrift. Das LaTeX3 Project nutzt die Mailingliste LATEX-L; vgl. das Archiv bei gmane.org.

Die TeX-Newsgroups haben in den letzen Jahren an Zuspruch verloren, sind aber immer noch hochwertige und wichtige Kanäle für den Austausch, für Neuigkeiten und Ankündigungen. Wenn man das Usenet nutzt, sollte man sie mitlesen: de.comp.text.tex, comp.text.tex, fr.comp.text.tex sowie es.comp.lenguajes.tex (hier jeweils über das Webinterface von Google Groups verlinkt; siehe auch diese Liste von Usenet-Anbietern im deutschsprachigen Raum).

Die Diskussion findet zunehmend in Webforen statt. Das größte Forum ist der TeX-LaTeX StackExchange – ein kommerzielles Projekt; die Inhalte stehen unter der Lizenz CC-by-sa 3.0. Antworten auf Fragen werden dort nach einem Abstimm-System von den Benutzern bewertet; so entsteht einerseits eine meßbare Reputation innerhalb der Community; andererseits können die tatsächlich am häufigsten gestellten Fragen in diesem Rahmen statistisch ermittelt werden; so entsteht dort also eine echte FAQ. Ein weiteres englischsprachiges Forum ist die LaTeX Community. Webforen in deutscher Sprache sind: goLaTeX, KOMA-Script, mrunix.de, TeXwelt. Unter TeXnique.fr steht ein Forum auf Französisch zur Verfügung. Die Gruppo Utilizzatori Italiani di TeX betreibt ein Forum in italienischer Sprache.

Die TeX-Anwendervereinigungen organisieren eine Reihe von Tagungen, an denen man teilnehmen kann. Neulinge sind dort stets willkommen. Die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX (DANTE) veranstaltet jeweils eine Tagung im Frühling und eine im Herbst. Die TeX Users Group TUG trägt eine größere Tagung im Sommer aus, abwechselnd in den USA und im Ausland. Die Proceedings der TUG-Tagung erscheinen in der Zeitschrift TUGboat; Tagungsberichte von DANTE-Tagungen werden in der DTK veröffentlicht; Material zu den Vorträgen findet man meist auf der Vereinswebsite zur jeweiligen Veranstaltung. Weitere bekannte Tagungen sind die BachoTeX, die jedes Jahr Anfang Mai in dem kleinen polnischen Ort Bachotek nordöstlich von Torun stattfindet. Mehr dazu kann man auf der Website von DANTE, auf der Startseite der TUG und natürlich auch auf den Seiten der anderen User Groups erfahren. Außerdem gibt es an vielen Orten Stammtische.